Ich habe festgestellt, daß die Spieler immer weniger Respekt zeigen. Liegt das an mir?

Generell scheint es heutzutage so zu sein, daß die Jugend nicht mehr so viel Respekt vor Erwachsenen und auch Gleichaltrigen gegenüber hat wie es vielleicht vor Jahren oder Jahrzehnten noch der Fall war. Die Gesellschaft hat sich gewandelt und wandelt sich immer noch. Nichts desto trotz sollten Kinder und Jugendliche immer noch Respekt zeigen. In den kleineren Spielklassen hat man damit als Trainer keinerlei Sorgen. Problematisch wird der Übergang vom D-Jugendalter zur C-Jugend. In der D-Jugend (11 – 13 Jahre) sind alle Spieler noch „liebe Kinder“, sobald sie jedoch in der C-Jugend sind (13 – 15 Jahre), fangen die Probleme an. Da werden auf einmal aus den vormals liebsten Kindern die größten Sorgenkinder. Auf der einen Seite wollen sie sich vom Elternhaus in einer gewissen Form abkapseln, zum anderen sind sie aber auf ihre Eltern weiterhin angewiesen. Das äußert sich zum Beispiel darin, daß zu den C-Jugendspielen und Trainingseinheiten immer weniger Eltern als Zuschauer kommen.

In diesem Alter sind die Spieler teilweise Kind und teilweise erwachsen. Es geht ihnen nicht mehr darum, sich weiterzuentwickeln, sondern vielmehr, der „Coolste“ und in der Gruppe anerkannt zu sein. Die schwächeren Gruppenmitglieder werden permanent attackiert, um so den eigenen Rang in der Gruppe zu festigen. Daran läßt sich bereits erkennen, daß die Spieler auch Gleichgestellten gegenüber keinerlei Respekt zeigen. Schwierig wird es dann, wenn es um das Verhältnis Trainer – Spieler geht. Der Trainer ist Vorgesetzter im weitesten Sinn und maßregelt die Spieler zuweilen, was in seiner Zuständigkeit liegt. Durch solcherlei Maßregelungen kann es durchaus sein, daß der Spieler seinen Rang in der Gruppe, den er sich oftmals mühsam erkämpft hat, sehr schnell wieder verlieren kann. Daß das durchaus nicht im Sinn des Spielers liegt, dürfte klar sein, zumal es in der Gruppe „uncool“ wirkt, wenn man sich diesen Anordnungen ohne Widerstand beugt. Daher ist in vielen Fällen damit zu rechnen, daß der Spieler darauf mit einem Lachen oder gar nicht reagiert, um so zu zeigen, daß er in Augen der anderen Kinder wirklich „cool“ ist und die Anweisungen des Trainers ihn nicht interessieren. Das stärkt seinen Stellenwert ungemein.

In Einzelgesprächen werden die Spieler ein anderes Gesicht zeigen; hier verhalten sich selbst die Rädelsführer komplett anders und scheinen auch die Anweisungen zu verstehen und ihr Fehlverhalten – so es denn vorliegt – einsehen. Nach dem Gespräch jedoch sieht die Sache bereits anders aus. Sie werden ihren Mannschaftskameraden niemals den wahren Grund des Gesprächs verraten, um sich nicht selber bloßzustellen. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, daß die Spieler sich ab der einsetzenden Pubertät anders verhalten. Die Probleme, die die eigenen Eltern zu Hause bereits mit ihren Sprößlingen haben, werden natürlich bei einer fremden Person ungleich höher.

Dem Trainer kann man nur dann die Schuld geben, wenn er sich nicht richtig verhält. Ansonsten liegen die Ursachen woanders und bleiben für die meisten Personen unverständlich. Richtiges Verhalten setzt eine gewisse Distanz zur Mannschaft voraus. Wenn man sich privat mit den Spielern abgibt und über (eigene) private Dinge spricht, dann wird der Respekt immer weniger. Daß man über private Probleme der Spieler durchaus sprechen kann, liegt auf der Hand. Auf keine Fall sollte ein Trainer sich von seinen Spielern (egal, welchen Alters) duzen lassen. Das sorgt ebenfalls nicht für den nötigen Abstand.

Respekt ganz anderer Art kann man von Jugendspielern nicht erwarten. So hat z. B. Uli Stielike erzählt, daß er zu seiner Zeit bei Real Madrid niemals sein Autogramm auf der dafür vorgesehenen Autogrammkarte durch das Wappen des königlichen Clubs gesetzt habe. Solch einen Weitblick kann man von Jugendlichen in keinster Weise erwarten.

Der Wandel in der Gesellschaft zieht es nun mal nach sich, daß auch ein Fußballtrainer damit zu kämpfen hat. In früheren Zeiten war es selbstverständlich, daß Jugendliche gegenüber der Obrigkeit (Lehrer, Polizei etc.) eine gewisse Art von Achtung und Respekt an den Tag legten. Heutzutage werden Lehrer von Schülern bedroht und Polizisten von Jugendlichen beschimpft. Das gleiche kann man während eines Spiels beobachten. Auch hier verhalten sich die Spieler nicht mehr so wie es früher der Fall war. Schiedsrichter und Gegner werden gnadenlos beschimpft und angemeckert. Dabei vergessen die Spieler, daß sie ohne ihre Gegner ihren heißgeliebten Sport nicht ausüben können. Und der Schiedsrichter steht als Unparteiischer auf dem Platz, um „für Ruhe zu sorgen“. Das alles respektieren die meisten Spieler heutzutage auch nicht mehr.

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