Ersatztorwart

Für den Torhüter gibt es nur eine einzige Spielposition – die zwischen den Pfosten. Ein zweiter Torwart kann nicht gleichzeitig spielen, weshalb es für ihn auch nur eine einzige Position gibt – die Reservebank. Der zweite Torwart kann also nur nach bestimmten Voraussetzungen aufgestellt werden und damit spielen. Entweder muß sich der Stammtorwart verletzen, muß die Form total verlieren oder anderweitige Probleme haben, die seine Aufstellung nicht rechtfertigen.

Im Jugendbereich sollten möglichst beide Torhüter abwechselnd eingesetzt werden. Es ist erst ratsam, im Leistungsbereich eine eindeutige Auswahl zu treffen (evtl. ab B-Jugend), da ansonsten die Voraussetzungen fast gleich sein dürften. Im Seniorenbereich hingegen sieht es ein wenig anders aus. Hat man sich als Trainer auf seinen Stammtorwart festgelegt, so spielt der zweite Mann dennoch eine (ge)wichtige Rolle. Hier hat man mit verschiedenen Torhüter-Persönlichkeiten zu tun:

  • ein gerade aus der Jugend gekommener Torwart: Wird keinerlei Ansprüche stellen, weil er keine Erfahrung hat. Er muß auf seine Chance (s. o.) warten.
  • Rekonvaleszent: Will mit Sicherheit seinen durch Verletzung verlorenen Stammplatz zurückhaben. Sollte der zweite Torwart schwächer sein, steht einem Einsatz nach erfolgter Genesung nichts im Wege. Andererseits dürfte der ehemals erste Torwart stark gereizt wirken.
  • aus Formschwäche zurückgestufter Torwart: Wird sehr frustriert sein, weil er seinen Stammplatz verloren hat.
  • resignierter Torwart: Rechnet sich kaum mehr Chancen auf Einsätze aus und wird daher auch keinerlei Probleme bereiten.

Der Trainer wird in den meisten Fällen logischerweise wissen, mit welchem Typ Torwart er es zu tun hat. Er muß diesem zweiten Torwart dringend das Gefühl vermitteln, daß, er weiterhin ein unverzichtbarer Teil der Mannschaft ist und dazugehört. Der Sportler an sich hat Gefallen an seinem Hobby gefunden und möchte dieses auch weiterhin behalten. Wenn man einen Reservetorhüter nicht genügend Beachtung schenkt, wird er – über kurz oder lang – den Spaß verlieren. Und dann ist er aus eigenem Antrieb kein gleichwertiger Ersatz mehr und auch kein Bestandteil der Mannschaft.

Wenn man sich als Trainer auf einen Stammtorwart festgelegt hat, sollte man seine Entscheidung beiden Torhütern mitteilen und begründen. Versucht man, beide Torhüter gegeneinander auszuspielen, wird das nachhaltig negative Folgen haben (für das Klima in der Mannschaft und das Verhältnis der beiden Torhüter). Aus diesem Grund sollte man mit offenen Karten spielen und einem Torwart das volle Vertrauen für die Spiele schenken, ohne dabei jedoch dem anderen das Gefühl zu geben, daß man ihn nicht (mehr) braucht. Im Training ist man dann gefordert, dem zweiten Torhüter dabei zu helfen, daß er seine Defizite aufarbeitet und so an den ersten Mann herangeführt wird. Wenn der Ersatztorwart merkt, daß man sich mit ihm während des Trainings ausgiebig beschäftigt, so wird er es einem in irgendeinem Spiel danken.

Abschließend sollte man sich nochmals im Klaren darüber werden, welche Aufgaben auf einen Trainer in bezug auf die Torhüterfrage zukommen:

  • Welche Persönlichkeiten haben die Torhüter?
  • Vertrauen und Aufmerksamkeit schenken
  • ehrliche Wahl zwischen erstem und zweitem Torwart treffen (im Seniorenbereich wohlgemerkt)
  • gleichrangige Behandlung beider Torhüter
  • Der zweite Torwart ist Reservetorwart (nicht Wechseltorwart!)
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