Teamgeist ist nicht nur der Name des Spielballes der Fußball-WM 2006 in Deutschland, sondern eben auch eine sehr wichtige Komponente im Fußball. Man spricht häufig über Taktik, Fitness und die individuellen Fähigkeiten der Spieler, aber wenn es in Spielen um alles geht, dann ist es oft das „Team“, welches ausschlaggebend war. Dann geht es selten noch um eine einzelne Person, sondern um die geschlossene Mannschaftsleistung, bei der einer für den anderen „die Kohlen aus dem Feuer geholt“ hat. Dieser Teamgeist gilt oft als ein unsichtbares Band, welches die einzelnen Mitglieder des Teams miteinander verbindet und dafür sorgt, dass auf elf (oder mehr) Einzelspielern eine Mannschaft wird, die als echte Einheit auftritt.
Dabei geht es um wesentlich mehr, als um das gegenseitige blinde Verständnis auf dem Platz. Sicher: Laufwege und das Wissen um die Vorlieben der Mitspieler gehören genauso dazu, sich wie eine Mannschaft zu präsentieren. Aber der eigentliche Teamgeist hat etwas mit Psychologie zu tun.
Jeder Sport belohnt prinzipiell individuelle Leistungen. Wer hat es nicht schon erlebt, dass der Stürmer für ein Tor in letzter Minute gefeiert wurde, aber die Abwehr nicht dafür gelobt wurde, dass sie zuvor die ganze Spielzeit über hervorragend gespielt hat?! Wer sich als Teamplayer bezeichnet, der weiß zumindest, wann ein Pass zum besser postierten Mitspieler sinnvoll und klüger ist, während der Egoist den Torabschluss um jeden Preis selbst sucht. Beim Teamgedanken ordnen sich die persönlichen Ziele also dem mannschaftlichen Erfolg unter. So ist der Stürmer u. a. ja auch darauf angewiesen, dass er Bälle von den Mittelfeldspielern bekommt und die Abwehrspieler müssen sich auf ihren Torwart verlassen können. Man verlässt sich also auf seine Nebenleute bzw. muss sich auf diese verlassen, um als Mannschaft Erfolg zu haben. Grundlage für diese gegenseitige Abhängigkeit ist ein Vertrauen gegenüber seinen Mitspielern, welches man haben muss. In der Folge dieser Abhängigkeit wird ein gut funktionierendes (oder besser gesagt: harmonierendes) Team die Mitspieler nach Fehlern wieder aufbauen und sie nicht anschreien und somit für ihre Fehler bestrafen. Und Fehler passieren bekanntlich während eines Fußballspiels sehr viele. Die meisten davon haben zunächst einmal keine große Relevanz, weil man den Ball nach einem Ballverlust vielleicht schnell wieder zurückerobert. Oder der verursachte Freistoß oder Elfmeter nach einem Foulspiel bleibt ohne negative Auswirkungen, weil der Schütze am Tor vorbei schießt.
Wichtige Punkte, um ein Team zu werden, ist die Tatsache, dass man gemeinsame Werte und Ziele hat und diese auch lebt und verfolgt. Respekt, Pünktlichkeit und Einsatzwille geben den Spielern Orientierung und damit auch Halt. Sie führen zu einer eigenen Identität, die in jeder Mannschaft anders aussehen kann. Dazu kommen noch die vereinbarten Saisonziele (Aufstieg, Nichtabstieg o. ä.). Ein guter Gedanke ist es, die Mannschaft am Erarbeiten eines Strafenkatalogs zu beteiligen – je nach Altersklasse natürlich.
Doch Teamgeist entsteht nicht nur durch Worte und geäußerte Ziele, sondern vielmehr durch das gemeinsame Füllen dieser Werte mit Leben. Denn was bringt es, wenn man die o. g. Punkte als Werte definiert, dann jedoch in jedem Spiel den Schiedsrichter beleidigt oder zu spät zum Training kommt oder oder oder?! Alle Personen, die der Mannschaft angehören (Trainer, Spieler, Betreuer), sind verantwortlich für den Teamgeist und gestalten diesen (aktiv oder passiv) mit.
Der Trainer kann den ersten Impuls im Training durch Spielformen geben, die das Zusammenspiel trainieren und sogar zwingend erforderlich machen. Auch im Training kann man Teams bilden und gegeneinander spielen lassen. Dadurch lernen die Spieler frühzeitig, dass sie ihre Mitspieler benötigen. Wie sagte schon Lukas Podolski im Vorfeld der bereits zitierten WM 2006? „Doppelpass alleine – vergiss es!“
Vielleicht kann der Trainer auch Spielern Verantwortung übertragen, die jünger oder fußballerisch schwächer sind. Dadurch wird deutlich, dass sie genauso dazugehören, und das Zusammengehörigkeitsgefühl steigt. Und wenn der Trainer es noch schafft, dass eine gewisse Fehlerkultur etabliert wird, in der sich die Spieler gegenseitig auf Fehler hinweisen können, ohne dass der andere Spieler böse wird, ist man einen riesengroßen Schritt weiter, denn auch das Stärkt das Vertrauen, auf das es letzten Endes ankommt. Den Rahmen dafür bestimmt eben der Trainer.
Außerhalb der Trainingseinheiten und Spiele gibt es auch sog. Teambuildingmaßnahmen, von denen man auch immer im Zusammenhang mit Profimannschaften hört und liest. Dazu gehören ganz einfach gemeinsame Erlebnisse abseits des Trainings- und Spieldrucks. Das können Grillabende, Turniere, Ausflüge o. ä. sein.
Unter’m Strich muss jedes Mitglied des Teams für sich das Gefühl haben, wichtig für die Mannschaft zu sein. Dementsprechend sollte man insbesondere Spieler, die nicht oft zum Einsatz kommen, mehr loben – auch für Kleinigkeiten wie z. B. eine gute Defensivaktion im Training. Oder man lobt einen Auswechselspieler, dass er über die gesamte Spielzeit von der Bank aus angefeuert oder ein wenig mit gecoacht hat.












Kommentar hinterlassen